Freitag, 20. Februar 2009

Gelesen: Arto Paasilinna - Zehn zärtliche Kratzbürsten

Der Chef eine florierenden Industrieunternehmens, Rauno Rämekorpi, feiert seinen 60. Geburtstag.
Er bekommt sehr viele Blumen und Geschenke überreicht, sieht sich nach der Feier in der misslichen Lage, die Blumen wieder loswerden zu müssen, da seine Frau allergisch auf diese reagiert.
Wegwerfen möchte er sie nicht, also begibt er sich mit einem Taxi voller Blumen, Champagner und Kavier auf die Reise durch Helsinki und verteilt seine Gaben an seine verflossenen Liebschaften.

Nach den ersten drei Aufeinandertreffen habe ich befürchet, dass das Buch seinem Titel gerecht werden möchte und ich noch weitere Zusammenkünftige werde mitverfolgen dürfen.
Aber bei einer Runde blieb es nicht, da die Rundreise so erfolgreich verlief, planen Fahrer und Chef eine Wiederholung zur Weihnachtszeit. Und nocheinmal erleben wir den Herrn Direktor und seine Damen.

Kerlokiste war das Buch schlecht.
Die Buchhändlerin meines Vertrauens hat es mir empfohlen, ich befürchte, ihr ist nichts mehr eingefallen, was sie mir raten konnte. Auf der Rückseite verspricht Länstidningen Östersund auch "Ein Festmahl für alle Freunde des skurrilen Humors."
Entweder liegt mir der skurrile finnische Humor nicht oder einen ältlichen Herrn bei (schlechten) schnellen Nummern zu beobachten ist einfach nicht witzig.

Nun knibbel ich den Aufkleber "Spitzentitel" ab und stelle es nach hinten ins Bücherregal

Freitag, 13. Februar 2009

Elternsprechtag

Wir waren heute die letzten die drankamen.

Damit wir so lange reden können, wie wir wollen, teilte mir die Lehrerin mit.

Im Nachhinein hätte ich das Gespräch gerne auf Band aufgezeichnet, sie war voll des Lobes für den kleinen Chef. Er würde am besten lesen, es wäre super wie er fremde Texte liest.
Keine Überraschung für mich, schliesslich weiss ich wie gut er liest und ich weiss auch, dass das nicht vom Himmel gefallen ist. Bücher gehören bei uns zum Alltag, sie sind überall und dauernd liest jemand etwas.
Kein Wunder, dass das abgefärbt hat.
Inzwischen liest er sogar abends im Bett nach dem Vorlesen noch alleine weiter.

Auch in Mathe ist er gut, zwar nicht der Beste, aber vorne mit dabei. Ausserdem wäre er freundlich, hilfsbereit, beteiligt sich am Unterricht.
Mutterherz was willst du mehr.

Dann haben wir noch den nächsten Schulausflug besprochen. Die Klasse wird uns im Ritterlager besuchen. Am Tag vor der offizielen Eröffnung der Spiele kommt die Klasse am morgen zu uns ins Lager.
Wir werden zusammen filzen oder Speckstein bearbeiten, Stockbrot backen, Zelte anschauen usw.
Sie freut sich sehr, dass wir sie unterstützen und ich freue mich, dass sie in dem Rahmen den sie hat versucht etwas zu gestalten.

Frust haben wir auch besprochen, in den meisten Punkten sind wir uns einig und ähnlich frustriert.

Neues hatte sie auch zu berichten, noch nichts offizielles, und schön ist es auch nicht. Die Klassenlehrerin hatte sich stark dafür eingesetzt, dass Mittel aus dem Konjunkturpaketen für die Schule frei gemacht werden.
Leider erfolglos.
Es wird nichts mehr in die Schule investiert.
Sie wird neu gebaut.
Geplantes Ende der Baumassnahme: in ca. 4 Jahren.
Dann können wir uns für die anderen freuen.

Und jetzt küsse ich noch mal das tollste Kind der Welt ab!
Ich liebe Elternsprechtage! :-)

Erwartungen

Der Tag beginnt, die Erwartung erwacht.

Viele ergeben sich zwangsläufig aus dem Tagesablauf und dem Alltag heraus, sind selbstverständliche Routine geworden. Manche sogar liebgewordene, auch wenn mir jetzt gerade keine einfällt.

Nicht nur am mich werden täglich Erwartungen von allen Seiten gestellt, auch ich erwarte täglich tausend Dinge und sei es nur, dass der Autofahrer vor mir bei grün an der Ampel losfährt.

Ohne Erwartungen geht es nicht und ohne gegenseitige Erfüllungen ebenfalls nicht.

Aber dann gibt es welche, die mich überraschen, erstaunen, einschränken, abschrecken, mich auf eine Ebene stellen, auf der ich nicht stehen mag. Vermittelt mir der Erwartungssender, dass er sich auf der Erwachsenenebene befindet und mich auf eine Kindebene schickt, dann mag ich keiner Erwartung nachkommen, dann betrachte ich sie auch viel kritischer als ich es normalerweise getan hätte und würde am liebsten (trotzig, schliesslich bin ich schon in der Kinderrolle) ins Gegenteil verfallen.

Manchmal denke ich, ich bin alt, ich mag keine Erwartungen mehr erfüllen müssen. Cool sein muss ich auch nicht mehr, zumindest nicht mehr so doll, naja ganz uncool geht halt auch gar nicht.

Aber für andere etwas darstellen wollen, müssen mag ich auch nicht mehr.

Gestern hatte ich im Job eine klare Erwartungshaltung. Wenn man mit drei Firmen bei einer vierten Firma zu Gast ist und dort etwas präsentiert, bespricht und Lösungen sucht, eine der drei Anwesenden firmen auch noch Unterstützung anbietet, ohne davon etwas "zu haben" dann erwarten alle Gäste, dass man bewirtet wird, besonders wenn die Agenda von 9.30 bis 15.30 Uhr angesetzt ist.
Ein kleiner Mittagsimbiss ist hier üblich, zumindest Plätzchen, aber nichts dergleichen, sogar nach der zweiten Kanne Kaffee musste nachgefragt werden. In der Mittagspause verliess der Gastgeber den Besprechungsraum und lies die Gäste zurück.
Erwartungen nicht zu erfüllen, kann sehr peinlich sein. Von der Weihnachtsgeschenkeliste ist dieses Unternehmen gestrichen! Und die Rabatte senke ich ebenfalls sofort!

Dienstag, 10. Februar 2009

Erwischt

Uns hat es auch erwischt.
Ne schöne fette Erkältung hat sich in der Kleinfamilie eingenistet.

Das Wochenende haben wir vegetiert und nun versuche ich die ganze Zeit NICHT zu husten.

Das nervt doch. Natürlich hat es sich wieder deutlich verschlechtert.

Am Sonntag habe ich mich vor der Wundversorgung betrachtet. Schön sieht es nicht aus. Vorher war es auch nicht schön, aber gewohnt unschön, nun ist es ungewohnt unschön. Eher hässlich.
Zeigen würde ich mich so nirgends.
Der Gatte hat noch Hoffnung, dass es schöner wird, vielleicht hat er mich auch angelogen, um mich aufzubauen, ich weiss es nicht.
Er hat mir allerdings zugestimmt, dass es jetzt nicht gut aussieht.

Es macht mich müde, dass es nicht voran geht, wenns wenigstens verheilen würde, könnte ich mit "nicht so schön" leben, aber ich möchte gerne wieder Freizeitaktivitäten nachgehen können, nur auf der Couch zu sitzen und zu sticken ist auf Dauer echt langweilig, dafür habe ich nun sehr viele neue Produkte für unseren Stand bei den Ritterspielen.

Freitag, 6. Februar 2009

Wellenbewegungen

Noch immer geht es auf und ab.
Gestern ging es mir wieder sehr schlecht. Ich konnte wieder nur noch schleichen, musste festhalten und hatte wieder das Gefühl: das alles will nicht zu mir gehören.

Das Antibiotikum hatte ich für zwei Tage nicht genommen, nun nehme ich noch mal knapp eine Woche die 6 Tabletten pro Tag und heute morgen geht es schon wieder besser.

Es wird wieder ein ruhiges Wochenende vor mir liegen, vielleicht werde ich etwas nähen, die beiden Gewänder für den kleinen Chef möchte ich gerne fertigstellen.
Aber wenns nicht klappt, dann beschäftige ich mich einfach weiter mit meinen kleinen Arbeiten für unseren Stand beim nächsten Mittelaltermarkt.
Filzen kann ich leider immer noch nicht, die Bewegungen sind einfach noch zu ruckartig, so sitze ich weiterhin hier rum und besticke ein paar Lavendelsäckchen oder ein Lesezeichen oder wie jetzt gerade ein besonderes Kuschelkissen für den kleinen Chef.
Leider fehlt mir eine bestimmt Garnfarbe, das schliessende Handarbeitsbhaus am Ort hat diese Farbe nicht mehr und gestern musste ich feststellen, Stickbedarf gibt es dann im Ort nicht mehr. Im Nachbarort auch nicht, bei Karstadt in der nächst grössten Stadt auch nicht. So werde ich mich mal in die andere Richtung orientieren.

Entweder reisst die Ladenschliessung wirklich eine schmerzliche Lücke in den Handarbeitsbedarf - abgesehen vom Nähzubehör, da sind wir hier übervorsorgt - oder es stickt einfach keiner mehr.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Mehr auf als ab

Nach der körperlichen Talfahrt am Freitag habe ich am Samstag fast nur gelegen.
Den Sonntag habe ich ähnlich gestaltet, ein gemütlicher Besuch im Kino (Bolt) und ein Nachmittagsbesuch bei unseren Freunden nebenan.
Dort habe ich wenigstens zwei Gewänder für den kleinen Chef zugeschnitten bzw zuschneider lassen, so gut ging mir einfach nix von der Hand.

Aber dann am Dienstag...
ich wache auf, ich stehe auf, ich gehe ins Bad, ich pfeife vor mich hin und dann merke ich: ich bin schmerzfrei, zum ersten mal!
Angehalten hat es bis ca. 11 Uhr, aber immerhin *aufholzklopf*

Meine Hausärztin hat heute daraufgeschaut und war ganz zufrieden, wir machen so weiter, haben wir beschlossen.
Noch mal ne Runde Antibiotikum und weiter unser neues Verbandkonzept.

Innerlich reize ich schon wieder Bäume aus und habe mich zum Probetraining angemeldet, äusserlich bleibe ich aber ganz gelassen und entspannt und werde auch NICHT die Fenster putzen.

Samstag, 31. Januar 2009

Auf und Ab

Kurz ging es besser, seit gestern Nachmittag wieder deutlich schlechter.

Es fiel mir schwer den kleinen Chef zum Taekwondo zu bringen, noch schlimmer war das Abholen, mit Warterei.
Ich hätte heulen können, mich auf den Boden legen, alles festhalten.

Zu Hause hatte ich schon die warme Höhle vorbereitet, in die haben wir uns dann zurückgezogen, das war gut fürs Gemüt.

Bewegt habe ich mich an dem Tag gar nicht mehr. Retterspitz habe ich wieder weggelassen, dafür das bewährte Kühlakku wieder herausgeholt.

Heute habe ich auch die Hausarbeit fast vollständig liegen lassen, bis auf ein paar Handgriffe im Bad und der Küche, der kleine Chef hat gesaugt und so sieht es wenigstens einigermassen aus.

Einkaufen kann ich auch nicht mehr alleine, da muss der Gatte nachher ran, wenn er von der Arbeit wiederkommt.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Träume/Schäume

Es gibt Träume, die müssen einfach Träume bleiben.

Ganz konkret: Es gibt bei uns im Ort einen Laden, die Besitzer hören nach 40 Jahren altersbedingt auf und suchen einen Nachfolger.
Mode und Handarbeit.
Altbau, zwei grosse Räume, plus Büro, Toilette und Lagerraum.
Ein Bastel- und Handarbeitsgeschäft, auch wenns noch so spiessig und Hausfrauenkrammässig klingt, wäre genau das, was ich gerne machen würde.
Wusste ich vorher nicht, habe ich herausgefunden, nachdem ich mich dreimal mit dem Besitzer unterhalten habe.

Ich glaube sogar, dass ich ein recht gutes und stimmiges Konzept im Kopf habe, um den Laden etwas zu verändern, so dass die alte Kundschaft erhalten bleibt, aber neue gewonnen wird. Ich wüsste sogar schon, wen ich als Mitarbeiterin gewinnen wollte. Selbst Aushilfen hätte ich schon im Kopf und ein Rahmenprogramm für die ersten Monate.
Bastelvorführungen, Mitbastelaktionen im Laden,....

Warum versuche ich es nicht?
Es ist ganz einfach. Wir haben kein Kapital. Null nix. Wenn ich richtig nachdenke, wie knapp wir eigentlich leben, dann müsste ich wohl nachts wieder wach liegen.
Fällt einer von uns aus, dann ist es nach zwei Monaten eng mit der Hausfinanzierung. Es ist kein Puffer da, geschweige etwas, um was neues aufzubauen, was dann auch sofort laufen müsste, um hier meinen Anteil zum Lebensunterhalt weiter einzubringen.
Das Gattengehalt reicht dafür leider nicht aus, auch wenn er jeden Samstag zusätzlich losziehen würde und noch den Sonntag ebenfalls.
Ich bin nicht so ein risikobereiter Typ, wäre ich alleine, dann wäre es etwas anderes, aber mit Familie und Haus, ist es anders und könnte ich wieder froh werden, wenn ich meinem Sohn erklären muss, dass wir das Haus verlorgen haben, weil ich einen Laden nicht zum Laufen gebracht habe?

Auch wenns ne schöne Idee ist und ich an meinem Job nicht hänge, es ist ein Traum und der wird es bleiben, das Risiko ist zu gross.
Zumindest jetzt.
Vielleicht ändert es sich mal, wer weiss.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Gelesen: Maarten t Hart: Der Psalmenstreit

Die Geschichte um den ReederRoemer Stroombreker beginnt im Jahre 1739 in Maaluis.

Roemer verliebt sich als Junge in eine Netzflickerin heiratet aber auf das Geheiss seiner Mutter die reiche Diderica, bekommt dafür zwei weitere Schiffe und führt eine unglückliche Ehe, die nie vollzogen wird und dementsprechend kinderlos bleibt.

Einen Sohn zeugt er dennoch mit seiner grossen und unerfüllten Liebe.
Die historische Rahmenhandlung ist der sogennante Psalmenstreit, ein für den Leser der heutigen Zeit kaum nachvollziebarer Grund für Unruhen.
Ein Teil der Gemeinde, die besser gestellten wohlhabenden hängen an einer traditionellen, langsamen und sehr getragenen Singweise während des Gottesdienstes, die armen Fischer, Netzflicker und einfachen Handwerker sind Anhänger einer neuen, schnelleren Singweise.
Darüber entbrennt ein heftiger Streit in Maasluis und dem gesamten Land. Es kommt zu Plünderungen, Verwüstungen, Handgreiflichkeiten und Angriffen.

Die Redelsführer werden verbannt u.a. der Sohn des Roemer, der nicht weiss, wer sein Vater ist. Beide stehen auf gegenerischen Seiten, Roemer versucht immer wieder seinem Sohn zu helfen, scheitert aber aus unterschiedlichen Gründen.

Für Roemer und seine grosse Liebe gibt es zum Teil ein Happyend, Roemer, der schon immer unter Schlaf- und Ruhelosigkeit leidet, nicht vollständig, zu gross ist die Sehnsucht nach dem Sohn.

Mein Urteil: Ein echter ´t Hart, auch wenn er es mir am Anfang nicht so leicht gemacht hat, wie es mir sonst ergeht. Es brauchte ein bisschen, um mir den Inhalt des Psalmenstreites näher zu bringen und die ewigen detailfreudigen Debatten zum Thema sind sehr sperrig.
Dennoch ist Roemer eine Hauptfigur die so klar und deutlich vor einem steht, dass man ihr am liebsten die Hand reichen würde.
Es kann nicht nur daran liegen, dass ich zur Heimat von Maarten ´t Hart so eine grosse Verbundenheit fühle, dass ich jedes seiner Bücher und Figuren ins Herz schliesse, schratig und eckig und kantig wie sie stets sind, er ist einfach ein ganz grossartiger Autor.
Verschenken würde ich es wohl nicht, obwohl mir gerade einfällt, dass es meiner Freundin Barbara gefallen könnte.

Selbstmitleid

Bestimmt ist Selbstmitleid nicht schlau oder rational oder sinnbringend.

Aber ich fühle es nun mal und mag mich dafür nicht rechtfertigen. Warum sollte ich auch?

Gleich gehe ich zum Verbandwechsel, dann gibt es ein neues Antibiotikum und gestern habe ich Auflagen mit Retterspitz gemacht.
Tat gut.

Geschlafen habe ich etwas besser.
Geweint habe ich etwas mehr.