Samstag, 31. Januar 2009
Auf und Ab
Es fiel mir schwer den kleinen Chef zum Taekwondo zu bringen, noch schlimmer war das Abholen, mit Warterei.
Ich hätte heulen können, mich auf den Boden legen, alles festhalten.
Zu Hause hatte ich schon die warme Höhle vorbereitet, in die haben wir uns dann zurückgezogen, das war gut fürs Gemüt.
Bewegt habe ich mich an dem Tag gar nicht mehr. Retterspitz habe ich wieder weggelassen, dafür das bewährte Kühlakku wieder herausgeholt.
Heute habe ich auch die Hausarbeit fast vollständig liegen lassen, bis auf ein paar Handgriffe im Bad und der Küche, der kleine Chef hat gesaugt und so sieht es wenigstens einigermassen aus.
Einkaufen kann ich auch nicht mehr alleine, da muss der Gatte nachher ran, wenn er von der Arbeit wiederkommt.
Donnerstag, 29. Januar 2009
Träume/Schäume
Ganz konkret: Es gibt bei uns im Ort einen Laden, die Besitzer hören nach 40 Jahren altersbedingt auf und suchen einen Nachfolger.
Mode und Handarbeit.
Altbau, zwei grosse Räume, plus Büro, Toilette und Lagerraum.
Ein Bastel- und Handarbeitsgeschäft, auch wenns noch so spiessig und Hausfrauenkrammässig klingt, wäre genau das, was ich gerne machen würde.
Wusste ich vorher nicht, habe ich herausgefunden, nachdem ich mich dreimal mit dem Besitzer unterhalten habe.
Ich glaube sogar, dass ich ein recht gutes und stimmiges Konzept im Kopf habe, um den Laden etwas zu verändern, so dass die alte Kundschaft erhalten bleibt, aber neue gewonnen wird. Ich wüsste sogar schon, wen ich als Mitarbeiterin gewinnen wollte. Selbst Aushilfen hätte ich schon im Kopf und ein Rahmenprogramm für die ersten Monate.
Bastelvorführungen, Mitbastelaktionen im Laden,....
Warum versuche ich es nicht?
Es ist ganz einfach. Wir haben kein Kapital. Null nix. Wenn ich richtig nachdenke, wie knapp wir eigentlich leben, dann müsste ich wohl nachts wieder wach liegen.
Fällt einer von uns aus, dann ist es nach zwei Monaten eng mit der Hausfinanzierung. Es ist kein Puffer da, geschweige etwas, um was neues aufzubauen, was dann auch sofort laufen müsste, um hier meinen Anteil zum Lebensunterhalt weiter einzubringen.
Das Gattengehalt reicht dafür leider nicht aus, auch wenn er jeden Samstag zusätzlich losziehen würde und noch den Sonntag ebenfalls.
Ich bin nicht so ein risikobereiter Typ, wäre ich alleine, dann wäre es etwas anderes, aber mit Familie und Haus, ist es anders und könnte ich wieder froh werden, wenn ich meinem Sohn erklären muss, dass wir das Haus verlorgen haben, weil ich einen Laden nicht zum Laufen gebracht habe?
Auch wenns ne schöne Idee ist und ich an meinem Job nicht hänge, es ist ein Traum und der wird es bleiben, das Risiko ist zu gross.
Zumindest jetzt.
Vielleicht ändert es sich mal, wer weiss.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Gelesen: Maarten t Hart: Der Psalmenstreit
Roemer verliebt sich als Junge in eine Netzflickerin heiratet aber auf das Geheiss seiner Mutter die reiche Diderica, bekommt dafür zwei weitere Schiffe und führt eine unglückliche Ehe, die nie vollzogen wird und dementsprechend kinderlos bleibt.
Einen Sohn zeugt er dennoch mit seiner grossen und unerfüllten Liebe.
Die historische Rahmenhandlung ist der sogennante Psalmenstreit, ein für den Leser der heutigen Zeit kaum nachvollziebarer Grund für Unruhen.
Ein Teil der Gemeinde, die besser gestellten wohlhabenden hängen an einer traditionellen, langsamen und sehr getragenen Singweise während des Gottesdienstes, die armen Fischer, Netzflicker und einfachen Handwerker sind Anhänger einer neuen, schnelleren Singweise.
Darüber entbrennt ein heftiger Streit in Maasluis und dem gesamten Land. Es kommt zu Plünderungen, Verwüstungen, Handgreiflichkeiten und Angriffen.
Die Redelsführer werden verbannt u.a. der Sohn des Roemer, der nicht weiss, wer sein Vater ist. Beide stehen auf gegenerischen Seiten, Roemer versucht immer wieder seinem Sohn zu helfen, scheitert aber aus unterschiedlichen Gründen.
Für Roemer und seine grosse Liebe gibt es zum Teil ein Happyend, Roemer, der schon immer unter Schlaf- und Ruhelosigkeit leidet, nicht vollständig, zu gross ist die Sehnsucht nach dem Sohn.
Mein Urteil: Ein echter ´t Hart, auch wenn er es mir am Anfang nicht so leicht gemacht hat, wie es mir sonst ergeht. Es brauchte ein bisschen, um mir den Inhalt des Psalmenstreites näher zu bringen und die ewigen detailfreudigen Debatten zum Thema sind sehr sperrig.
Dennoch ist Roemer eine Hauptfigur die so klar und deutlich vor einem steht, dass man ihr am liebsten die Hand reichen würde.
Es kann nicht nur daran liegen, dass ich zur Heimat von Maarten ´t Hart so eine grosse Verbundenheit fühle, dass ich jedes seiner Bücher und Figuren ins Herz schliesse, schratig und eckig und kantig wie sie stets sind, er ist einfach ein ganz grossartiger Autor.
Verschenken würde ich es wohl nicht, obwohl mir gerade einfällt, dass es meiner Freundin Barbara gefallen könnte.
Selbstmitleid
Aber ich fühle es nun mal und mag mich dafür nicht rechtfertigen. Warum sollte ich auch?
Gleich gehe ich zum Verbandwechsel, dann gibt es ein neues Antibiotikum und gestern habe ich Auflagen mit Retterspitz gemacht.
Tat gut.
Geschlafen habe ich etwas besser.
Geweint habe ich etwas mehr.
Dienstag, 27. Januar 2009
Schmerzen, Angst, Frust
Jeder Gang war eine Qual, von der An- und Abreise gar nicht zu sprechen. Ich kann eigentlich gar nicht vernünftig am Tisch sitzen, ein Mittagessen ist schon zu lang.
Aber wieder ein Krankenschein?
Nein, das geht einfach nicht.
Dafür bleibe ich heute und morgen im Homeoffice, das ist eine Möglichkeit mit der wohl alle leben können.
Meinen OP Arzt habe ich ebenfalls angerufen.
Wir wollten am Abend noch einmal telefonieren, damit ich ihm genau mitteilen kann, ob mir meine Hausärztin ein geeingetes Antibiotikum verschrieben hat.
Er wäre ja bis zum späten Abend zu erreichen.
Leider wurde wohl irgendwann ein AB eingeschaltet, so habe ich ihn ab 17 Uhr nicht mehr erreicht. Über die Zentrale ging auch nichts.
Am Morgen hat er endlich mal mit der Sprache rausgerückt, wann so eine OP "eigentlich" verheilt sein müsste. Nach 6 Wochen! Da bin ich sehr weit drüber.
Leid würde es ihm tun.
Glaube ich sogar, aber dass ich ihn am Abend nicht erreicht habe, hat mich schon sehr angekotzt.
Der Gatte zweifelt wohl auch langsam an der Richtigkeit der OP, redet aber nicht wirklich mit mir darüber, macht es auch nicht leichter.
Überhaupt ist es schwer zu reden.
Schliesslich habe ich mich ja selbst dazu entschieden und habe mich vorher beklagt.
Aber hätte ich es mir so ausmalen können?
Vorher war ich behindert, eingeschränkt und jetzt?
Es kommt mir so vor, als würde ein Trümmerhaufen an mir hängen, der sich noch überlegt, ob er überhaupt dort bleiben will.
Mir fehlt es auch so mit dem kleinen Chef zu kuscheln oder zu kleine Kämpfchen zu machen, vom ehelichen Miteinander brauche ich gar nicht erst anzufangen.
Kacke, echt!
Und nun versuche ich wieder meinen Arzt zu erreichen.
Freitag, 23. Januar 2009
Weiterhin schlecht
Erst heute konnte ich zu meiner Ärztin, ich habe ihr gezeigt was mir Sorgen bereitet und
sie fragte: Wie halten sie das aus?
Meine Antwort: in den letzten Tagen weine ich ab und an.
Wir haben dann den Verlauf der Verschlechterung besprochen und gemeinsam überlegt wie wir weiter vorgehen könnten.
Vor zwei Wochen war es schon viel viel besser, richtig verschlechtert hat es sich, als ich die Pflaster nicht mehr geklebt habe.
Das hatte ich am Anfang der Woche schon wieder eingeführt, weil ohne gings gar nicht.
Sie hatte noch eine Spezialfeuchtigkeitspflasterding und das haben wir mal an die Stelle gelegt.
Ein Antibiotikum und Schmerztablette nehme ich nun.
Am Mittwoch schaut sie es sich wieder an und dann sehen wir weiter.
Leider hat sie mir meine Vermutung gestätigt, die eine Narbe, die sich sehr unschön verändert hat, wird nicht mehr dolle werden, allerdings ist das gerade auch meine kleinste Sorge.
Die Woche, die nun zum Glück arbeitsmässig fast vorbei ist, war furchtbar anstrengend, ich habe bestimmt 1.300 Kilometer im Auto verbracht, hatte richtig lange Reisen dabei und konnte nichts absagen.
Nun bin ich erschöpft, mutlos bin ich auch etwas, die Frage: habe ich das Richtige gemacht? lässt sich nicht wirklich unterdrücken.
Dienstag, 20. Januar 2009
Besser? - Schlechter!
Vermutlich waren meine Vorstellungen inzwischen schon die ersten Runden ums Dorf gejoggt zu sein, zu ergeizig, aber dass es mir heute so gehen wird, wies mir geht, hätte ich auch nicht gedacht.
Noch immer ist nicht abzusehen, wann endlich der Heilungsprozess abgeschlossen ist, gerade befinde ich mich eher wieder auf dem Rückschritt.
Nach dem letzten Kontrolltermin und der Pflasterverbandunfall, hatte ich mit der dadurch entstandenen Wunde auf der einen Seite zu kämpfen, das ist inzwischen verheilt, dafür ist die andere, die eh schlechtere Seite, noch wieder viel schlechter geworden.
Die Schwellung ist wieder grösser geworden und die Schmerzen sind wieder da. Auf der Arbeit fiel es mir gestern wieder schwer den ganzen Tag gerade am Schreibtisch zu sitzen.
Auf der Seite kann ich ebenfalls wieder nicht mehr schlafen, ich hatte mich so sehr gefreut, dass es ein paar Tage lang möglich war.
Das Vertrauen in meinen Arzt wurde dabei nie erschüttert, er hat sein bestes gegeben und an seiner Behandlung liegt es nicht, es ist mein Körper, der mir die Probleme bereitet und langsam aber sicher zerrt es an den Nerven.
Ich war/bin geduldig, ich habe mich/werde mich schonen, aber langsam muss echt mal gut sein.
Montag, 19. Januar 2009
Ein grosses Ziel
Ich hoffe, dass der Urlaub mindestens so toll war, wie sie es sich vorgestellt hat.
Als wir über ihren Traumerfüllungsurlaub und meine Zielerreichung durch OP im letzten Jahr sprachen, haben wir überlegt, dass wir nun etwas neues brauchen.
Nicht so ein Kleinkram, den man sich zum Jahreswechsel vornimmt, sondern wieder etwas richtige, soetwas wie ihre Reise und meine OP im letzten Jahr.
Nun habe ich ein paar Tage überlegt und mir ist etwas eingefallen, es gibt zwei Dinge, die ich bereut habe, bisher noch nicht gelernt zu haben.
Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass ich da mental schon einen Haken drangemacht habe, aber selbst mit 40 werde ich weder die Rente einreichen, noch mich zum sterben auf die Couch legen.
Auf der Couch könnte ich dann noch ein paar Werke von Shakespeare lesen - was auch noch auf der Liste steht, aber das hat noch Zeit.
Nun zu meinen beiden Versäumnissen.
1. ich habe kein Instrument vernünftig gelernt, Blockflöte in der Schule oder Gitarrenakkordeklimperrei am Lagerfeuer, zählen einfach nicht. Ich meine RICHTIG spielen, mit strengem Unterricht in der Musikschule, mit Konzert in der Schulaula oder soetwas
und
2. Ich habe keinen schwarzen Gürtel in einer Kampfsportart. Beim Judo bin ich nur bis zum grünen Gürtel gekommen und dort werde ich nicht mehr anknüpfen können.
Wenn es körperlich endlich möglich ist, werde ich ein Taekwondo Probetraining machen, ich habe nun ein paar mal beim kleinen Chef zugesehen und wähle das als neues Ziel aus.
Ob ich bis zum 50. einen schwarzen Gürtel tragen werde bzw. der Sport überhaupt meine Sache ist, ist gerade schwer abzuschätzen.
Endlich wieder ein Ziel.
Bin gespannt was sich meinen Schulfreundin ausdenkt.
Freitag, 16. Januar 2009
Kaputt
- Scheibenwischanlage am Auto
- Waschmaschine
- Heizung. Ein Rohr ist geplatzt.
Aufzählen reicht, mehr muss ich dazu nicht sagen.
Besonders schön finde ich, dass die Nachbarskinder heute eine Stunde früher gekommen sind - unabgesprochen - und ich die im kalten Haus, das nur noch über ein warmes Zimmer - dank Ofen - verfügt, auch noch an der Backe habe.
Ich freu mich!
Noch mehr freu mich mich über die Abrechnung der Stadtwerke. Nachdem wir jahrelang weniger Gas und Strom verbraucht haben, haben wir nun 1/5 mehr Verbrauch auf der Rechnung stehen.
Meine einzige Erklärung: die Wochen in denen ich nach der OP zu Hause war.
Mist!
300 Euro Nachzahlung.
Ich hoffe, dass es jetzt reicht.
Mittwoch, 14. Januar 2009
Gelesen: Kate Morton - Das geheime Spiel
Mit 14 Jahren tritt Grace ihren „Job“ als Dienstbotin im Hause „Riverton Manor“ der alten adelsfamilie Hartford an.
Kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges ist in der englischen Adelsgesellschaft die Welt noch in Ordnung.
Die Dienstboten, auch Grace, wissen wo ihr Platz ist und verrichten untertänig ihre Aufgaben.
Grace, ein Einzelkind einer Alleinerziehenden Mutter, die ebenfalls vor ihrer Geburt Dienstmädchen in Riverton war, weiss nichts über ihren Vater. Die Mutter blockt ab und verschlisst sich und ihre Vergangenheit vollständig. Grace schnappt immer wieder Aussagen über ihre Mutter auf, braucht aber viele Jahre, um die Fäden zusammenzubringen. Als sie die Geschichte entschlüsselt hat, ist es zu spät die Mutter zu befragen.
Aber das ist nicht das einzige Geheimnis, welches auf den Leser wartet.
75 Jahre hat Grace die Geschehnisse aus der Sommernacht im Jahre 1924 mit sich herumgetragen, in der der junge Dichter Robert Hunter sein Leben verliert und mit niemanden darüber geredet.
Als sie merkt, dass sie nicht mehr lange Leben wird und durch die Recherche einer Regisseurin, die einen Film über die Hartfort Schwestern dreht, ist die Vergangenheit sehr präsent und sie möchte das Geheimnis nicht ins Grab nehmen. (Wie ihre Mutter)
Wir erleben den Verfall der Familie, begleiten sie durch die Kriegsjahre und beobachten die frühen 20er Jahre in London.
Eine spannende Zeit und die Autorin schafft es gut, die Zeit lebendig darzustellen.
Mit ihren Personen gelingt es nicht ganz so gut.
Die alte Grace und die junge Grace bekomme ich gar nicht übereinander, beide sind mit symphatisch, aber beide bleiben auch ein bisschen blutleer.
Hannah ist die Heldin, auch ihre jüngere Schwester hat ein detailliertes Profil und ist eine interessante Nebenfigur.
Einiges ist langatmig, einiges wirkt aufgesetzt und konstruiert, maches Rosamundes Pilgaresk.
Was nervte: Ihre Mutter hatte keine wirkliche Beziehung zu ihrer Tochter, Grace kann auch keine zu ihrer Tochter aufbauen.
Wirkte sehr konstruiert und schien nur als Aufhänger zu dienen, den Enkel ins Spiel zu bringen.
Völlig unglaubwürdig war für mich, dass Grace es schafft noch Karriere zu machen, vom total verhuschten Dienstmädchen zur Archäologin, selbst wenn die Finanzierung des Studiums später aufgeklärt wird.
Zuviele unnötige Nebengeschichten. Die Pflegerin im Heim brauchte kein Mensch.
Der kleine Überraschungsmoment zum Ende, dass die Tochter von Hannah auftaucht, bzw. ihre Enkelin .
Was mir gefallen hat: eine Liebesgeschichte die glücklich endet, eine die unglücklich endet.
Vermutlich hätte ich das Buch lieber im Sommer und im Urlaub gelesen, eine Zeit in der ich mich besser einer Geschichte hingeben kann und sie nicht kritisch von allen Seiten beäuge.
Hier fragte ich mich immer wieder, ohne es zu wollen, ist das wirklich gut geschrieben oder gleitet es gerade zu arg ins Pilgareske ab?
Ein besserer Verlag hätte hier wohl mehr rausholen können, so wird es als Massenware untergehen. Zu Recht.
Wer die Zeit mag, ist hier bestens bedient, wer es schafft das Buch unkritisch wegzuschmöckern, wird recht gut unterhalten.
Zurück bleibt bei mir nichts, es wird seinen Platz im einer der Bücherwände finden und vergessen werden.